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20.01.2012 11:10 Alter: 1 year
Kategorie: Allgemein

Vermehrt Nischenplätze schaffen


Bild: Beatrice Oesch zVg Wiler Zeitung

(20.01.2012/BEATRICE OESCH) Am Mittwochabend fanden sich rund sechzig Personen im katholischen Pfarreizentrum Flawil ein, um sich über Arbeit, Arbeitslosigkeit, Armut und den sekundären Arbeitsmarkt zu informieren.

Organisiert wurde der Anlass von der Arbeitsgruppe Armut überwinden (AGA) des b'treff Flawil unter der Leitung von Vroni Krämer, katholische Seelsorgerin Bereich Soziales/Diakonie. Die Gruppe «Stutz ufwärts» des b'treffs Flawil zeigte eine kurze Anspielszene. Martin Grob, Geschäftsleiter der Stiftung Tosam, referierte über die Schwachpunkte des heutigen Arbeitsmarkts und die Auswirkungen auf die Arbeitnehmer. An einer offenen Diskussionsrunde wirkten Expertinnen und Experten aus den Bereichen Soziale Organisation, Betroffene, Gemeinde und Politik, Wirtschaft und Gewerbe sowie Kirche mit. Auch aus dem Saal wurde rege mitdiskutiert.

«Es gibt nicht für alle Arbeit»

Martin Grob gründete die Stiftung Tosam im Jahr 1989. Heute sind der Stiftung neun verschiedene Betriebe angeschlossen, die 230 alternative Arbeitsplätze bieten. Hier finden Menschen eine Chance auf eine Stelle, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht vermittelbar sind. Gemäss Martin Grob wird die Arbeitsbelastung allgemein immer höher, Stress und Burn-out-Fälle nehmen zu. «Es gibt viel Arbeit, aber nicht für alle», erklärte er. Wer einmal aus dem ersten Arbeitsmarkt herausgefallen sei, habe es oft sehr schwer, wieder hineinzukommen, und mit jeder Absage werde das Selbstwertgefühl geschwächt. «Arbeit gibt eine Tagesstruktur, Kontakte und die Möglichkeit zu zeigen, was man kann», sagte er.

Die Absicht der IV, 14 000 IV-Rentner in den Arbeitsmarkt zu integrieren, bezeichnete er als unrealistisch. Zum Thema Scheininvalide und Sozialschmarotzer sagte er: «Es gibt sie wohl auch, aber nicht bei uns.»

Hilfe für junge Menschen

An der Diskussionsrunde unter der Moderation von Renate Rutishauser, Qualitätsmanagement und Fundraising der Stiftung Tosam, nahmen teil: Martin Grob, Geschäftsleiter der Stiftung Tosam, Herisau; Erich Baumann, Gemeinderat Flawil, Vorsteher Bereich Soziale Dienste; Ruedi Loher, Leiter Bereich Soziale Dienste/Leiter Sozialamt; Manuela Czitschatge, Gruppe «Stutz ufwärts»; Irene Baumann, Restaurant Rössli, Flawil; Doris Hoby, Leiterin des b'treffs Flawil; sowie Marlise Schiltknecht, Sozialdiakonin, Vertreterin ATD.

In der angeregten Diskussion kristallisierten sich mehrere Punkte heraus. Jungen Menschen ohne Lehrstelle muss rasch geholfen werden, damit sie nicht zu Sozialfällen werden. Menschen, die im ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben, können und wollen trotzdem wertvolle Arbeit leisten. Es braucht mehr Stellen für Menschen mit einem Handicap sowie mehr Nischenarbeitsplätze.