Worum geht es?

Die Ausgangslage unseres Projekts «Arbeit für alle» fundiert auf der momentanen Situation im alternativen resp. zweiten Arbeitsmarkt. Diese zeigt sich in unserer Region wie folgt:

  • Personen, die eine IV-Rente beziehen und auf der Suche nach einem geschützten Arbeitsplatz sind, finden ein grosses Angebot an Institutionen vor.
  • Für Personen, die beim RAV angemeldet sind, gibt es in jedem Kanton Einsatzprogramme
  • Personen, die Sozialhilfe beziehen, können nur in wenigen Institutionen arbeiten.
  • Personen, die keiner dieser Gruppen angehören, erhalten lediglich bei der Stiftung Tosam im alternativen Arbeitsmarkt einen Arbeitsplatz.

Der Grund dafür ist folgendes Dilemma: Kommt für die Arbeitsplatzinfrastruktur- und Betreuungskosten keine amtliche Stelle (IV, RAV, Sozialamt, etc.) oder sonst jemand auf, bieten die sozialen Institutionen keinen entsprechenden Arbeitsplatz an. Ausser die Stiftung Tosam. Wir haben offene Arbeitsstellen und können arbeitswilligen Menschen, die gerne arbeiten möchten, im ersten Arbeitsmarkt aber keine Chance haben und in einer sozialen Institution aufgrund der nicht gedeckten Kosten, nicht angestellt werden dürfen, eine Chance geben. 

Welche Kosten sind nicht gedeckt?

Die Stiftung Tosam beschäftigte per Ende Dezember 2018 306 Mitarbeitende (Klienten) im alternativen Arbeitsmarkt. Davon gehören 75 Personen dieser speziellen Gruppe an. Nicht gedeckt sind bei dieser Mitarbeitergruppe die Arbeitsplatzinfrastruktur- und die Betreuungskosten. Die Arbeitsplatzinfrastrukturkosten beinhalten die Kosten der Räumlichkeiten und Einrichtungen. Unter Betreuungskosten fallen die Aufwände der Löhne des Betreuungspersonals.

Zahlen, Tabellen, Entwicklung alternative Arbeitsplätze

Die jährlichen Betreuungs- und Infrastrukturkosten betragen Fr. 12’000.- pro Mitarbeitender mit einem 100%-Pensum, wenn er das ganze Jahr beschäftigt ist. Aufgrund der unterschiedlichen Arbeitspensen und der unterschiedlichen Dauer der Anstellung, ergab sich 2017 ein effektiver Betrag von Fr. 5’291.- und 2018 einen Betrag Fr. 3’916.- pro Mitarbeitender und Jahr. Im 2018 sind zusätzlich Personen berücksichtigt worden, deren Betreuungs- und Infrastrukturkosten nur teilweise finanziert sind. Die durchschnittlichen Kosten pro Mitarbeitender und Jahr betragen somit Fr. 4’992.-.

Diese Menschen verdienen bei der Stiftung Tosam einen Minimallohn von Fr. 5.– pro Stunde. Die Gesamt-Lohnzahlungen an diese Mitarbeiter-Gruppe machten in den letzten Jahren ca. Fr. 230’000 aus.

Mitarbeitergruppe, deren Kosten nicht gedeckt sind

  • Jugendliche, die bei den Eltern leben und weder eine Lehrstelle noch eine Arbeitsstelle gefunden haben.
  • Jugendliche im Vorlehrjahr (Brücke) aus den Kantonen SG, TG, AI.
  • Jugendliche im schulpflichtigen Alter mit einem Timeout-Einsatz
  • Junge Erwachsene, die noch bei den Eltern wohnen und deshalb keine Sozialhilfe beanspruchen können.
  • Personen, deren Ehepartner eine IV und eine EL beziehen, und dadurch keinen Anspruch auf Sozialhilfe haben, aber einen Lohn generieren müssen.
  • Personen mit einer ausländischen (IV-)Rente, denen aber in der Schweiz keinen Anspruch auf ein Kostenübernahme-Gesuch bei der IV begründet ist.
  • Ältere ausgesteuerte Arbeitslose, die auf Weisung des Sozialamtes das BVG-Kapital auflösen müssen und dadurch keinen Anspruch auf Sozialhilfegelder haben und trotzdem arbeiten wollen.

    Dorji

    Er hat im Sommer die Telc-Prüfung A2 bestanden und arbeitet seit April 2017 zu einem 60%-Pensum in der Recyclingstelle des WinWin-Markt. Er müsste zu Hause bleiben, wenn er diese Arbeit nicht hätte.

        Paula und Hamid

        Sie arbeiten mit einem 70% resp. 100% Pensum im Kafi des WinWin-Markt. Beide sind sehr engagiert und freundlich, Paula backt jeweils auch Kuchen für’s Kafi. Sie arbeitet seit 2007 in der Stiftung. Hamid ist seit 2013 bei uns, er ist Asylbewerber und bewirbt sich intensiv um eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt.

          Was sagt die Behindertenrechtskonvention UN-BRK?

          Die UN-BRK wurde von der Schweiz am 15. April 2014 genehmigt und ist am 15. Mai 2014 in Kraft getreten. Mit ihrem Beitritt verpflichtet sie sich, Hindernisse zu beheben, mit denen Menschen mit einer Behinderung konfrontiert sind, sie gegen Diskriminierung zu schützen und in ihren Möglichkeiten und ihrer Gleichstellung in der Gesellschaft zu fördern.

          Die Behindertenrechtskonvention verbietet in Artikel 27 die Diskriminierung aufgrund von Behinderung in allen Angelegenheiten im Zusammenhang mit einer Beschäftigung gleich welcher Art, einschliesslich der Auswahl-, Einstellungs- und Beschäftigungsbedingungen, der Weiterbildung, des beruflichen Aufstiegs sowie sicherer und gesunder Arbeitsbedingungen.

          Was ist unsere Haltung gegenüber der UN-BRK? Auch die Stiftung Tosam ist vom Kanton AR als Institution für Behinderte anerkannt und hat daher die Aufgabe, die UN-BRK umzusetzen. Im Gegensatz zu anderen Behinderteninstitutionen stellt die Stiftung Tosam nicht nur behinderten Menschen Arbeitsplätze zur Verfügung, sondern allen Personen, die keinen Zugang zum ersten Arbeitsmarkt finden. Dadurch entsteht kein «Behindertenghetto», was als wichtige Voraussetzung für die Inklusion angesehen werden kann.

          Wie können Sie uns unterstützen?

          Aus finanzieller Sicht müsste auch die Stiftung Tosam darauf verzichten, ihre Arbeitsplätze für die betreffende Mitarbeitergruppe zu öffnen. Aus sozialen und letztendlich auch gesamtgesellschaftlichen Überlegungen, dürfen wir diesen Menschen die Türen zu einem Arbeitsplatz nicht verschliessen!

          Deshalb freuen wir uns über Ihre Unterstützung über mittels Spendenformular.