Worum geht es?

Die Ausgangslage für unsere Beschäftigungsplätze fundiert auf der allgemeinen Situation im alternativen (zweiten) Arbeitsmarkt:

  • Personen, die eine IV-Rente beziehen und auf der Suche nach einem geschützten Arbeitsplatz sind, können unter vielen Institutionen auswählen.
  • Personen, die Sozialhilfe beziehen, können in einigen wenigen Institutionen arbeiten.
  • für Personen, die in einem RAV-Einsatzprogramm sind, gibt es in jedem Kanton Angebote.

Warum braucht es Beschäftigungsplätze?

Personen, die keiner der oben genannten Gruppen (weder IV-Rentner noch Sozialhilfebezüger oder in einem RAV-Programm) zuzuordnen sind, erhalten bei der Stiftung Tosam die Chance auf einen Beschäftigungsplatz im alternativen Arbeitsmarkt.
Der Grund, weshalb solche Beschäftigungsplätze kaum angeboten werden, sind die Kosten: Kommt für die Arbeitsplatzinfrastruktur- und Betreuungskosten keine amtliche Stelle oder sonst jemand auf, gibt es kein entsprechendes Arbeitsplatzangebot.

Deshalb waren die Beschäftigungsplätze bei der Stiftung Tosam für unseren Gründer, Martin Grob, stets eine Herzensangelegenheit. In unseren Betrieben gibt es offene Arbeitsstellen für arbeitswillige Menschen, die im ersten Arbeitsmarkt keine Chance (mehr) haben.

Wer erhält einen Beschäftigungsplatz?

  • Jugendliche, die bei den Eltern leben und weder eine Lehrstelle noch eine Arbeitsstelle haben.
  • Jugendliche im Vorlehrjahr (Brücke) aus den Kantonen SG, TG, AI.
  • Jugendliche im schulpflichtigen Alter mit einem Timeout-Einsatz.
  • Junge Erwachsene, die noch bei den Eltern wohnen und keine Sozialhilfe beanspruchen können.
  • Personen, deren Ehepartner eine IV-Rente und Ergänzungsleistungen beziehen und dadurch keinen Anspruch auf Sozialhilfe haben, aber einen Lohn generieren müssen.
  • Asylbewerber: Für sie leisten die Gemeinden keine Beiträge an die Arbeitsplatzinfrastruktur- und Betreuungskosten.
  • Ältere ausgesteuerte Arbeitslose, die auf Weisung des Sozialamtes das BVG-Kapital auflösen müssen und dadurch keinen Anspruch auf Sozialhilfegelder haben und trotzdem arbeiten möchten.

Welche Kosten sind nicht gedeckt?

Von den über 300 Mitarbeitenden, die bei der Stiftung Tosam im alternativen Arbeitsmarkt beschäftigt sind, gehörten 55 Personen dieser speziellen Gruppe an. Das Angebot von Beschäftigungsplätzen bedeutet für die Stiftung Tosam somit eine finanzielle Herausforderung.

Selbstverständlich zahlen wir einen Lohn und leisten zusätzlich einen Betreuungsaufwand. Diesen Aufwand tragen wir selber. Nicht gedeckt sind somit die Lohnkosten für die Beschäftigungsplätze. Durchschnittlich betragen diese Fr. 450.- pro Monat. Die durchschnittliche Anstellungsdauer beträgt 6 Monate.

Paula und Hamid

Sie arbeiten mit einem 70% resp. 100% Pensum im Kafi des WinWin-Markt. Beide sind sehr engagiert und freundlich, Paula backt jeweils auch Kuchen für’s Kafi. Sie arbeitet seit 2007 in der Stiftung. Hamid ist seit 2013 bei uns, er ist Asylbewerber und bewirbt sich intensiv um eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt.

      Dorji

      Er hat im Sommer die Telc-Prüfung A2 bestanden und arbeitet seit April 2017 zu einem 60%-Pensum in der Recyclingstelle des WinWin-Markt. Er müsste zu Hause bleiben, wenn er diese Arbeit nicht hätte.

          Zahlen, Tabellen, Entwicklung der alternativen Arbeitsplätze in der Stiftung Tosam

          Die durchschnittlichen Kosten pro Jahr und Klient betragen rund Fr. 5’400.-. Diese Personen verdienen bei der Stiftung Tosam einen Minimallohn von Fr. 5.– pro Stunde. Die Gesamt-Lohnzahlungen an diese Mitarbeiter-Gruppe ergaben in den letzten Jahren ca. Fr. 250’000.–

          Was sagt die Behindertenrechtskonvention UN-BRK?

          Die UN-BRK wurde von der Schweiz am 15. April 2014 genehmigt und ist am 15. Mai 2014 in Kraft getreten. Mit ihrem Beitritt verpflichtet sie sich, Hindernisse zu beheben, mit denen Menschen mit einer Behinderung konfrontiert sind, sie gegen Diskriminierung zu schützen und in ihren Möglichkeiten und ihrer Gleichstellung in der Gesellschaft zu fördern.

          Die Behindertenrechtskonvention verbietet in Artikel 27 die Diskriminierung aufgrund von Behinderung in allen Angelegenheiten im Zusammenhang mit einer Beschäftigung gleich welcher Art, einschliesslich der Auswahl-, Einstellungs- und Beschäftigungsbedingungen, der Weiterbildung, des beruflichen Aufstiegs sowie sicherer und gesunder Arbeitsbedingungen.

          Was ist unsere Haltung gegenüber der UN-BRK? Auch die Stiftung Tosam ist vom Kanton AR als Institution für Behinderte anerkannt und hat daher die Aufgabe, die UN-BRK umzusetzen. Im Gegensatz zu anderen Behinderteninstitutionen stellt die Stiftung Tosam nicht nur behinderten Menschen Arbeitsplätze zur Verfügung, sondern allen Personen, die keinen Zugang zum ersten Arbeitsmarkt finden. Dadurch entsteht kein «Behindertenghetto», was als wichtige Voraussetzung für die Inklusion angesehen werden kann.

          Wie können Sie uns unterstützen?

          Aus finanzieller Sicht müsste die Stiftung Tosam darauf verzichten, ihre Arbeitsplätze für die betreffende Mitarbeitergruppe zu öffnen. Aus sozialen und letztendlich auch gesamtgesellschaftlichen Überlegungen, dürfen wir diesen Menschen die Türen zu einem Arbeitsplatz nicht verschliessen! Geben Sie diesen Menschen eine Chance und helfen Sie mit, unsere Beschäftigungsplätze zu finanzieren. Mit einem Beitrag von Fr. 50.–, Fr. 100.–, Fr. 200.– oder Fr. 500.– sichern sie den Lohn eines Mitarbeitenden von zwei Tagen bis zu einem Monat.

          Unterstützen Sie den Erhalt unserer Beschäftigungsplätze. Hier geht’s zur  Spendenseite.